Reise entlang des 6. Abschnitts der Erlebnisroute Maria Pawlowna in Litauen 21.-28. Juni 2026
Reisetagebuch von Dr. Wilfriede Fiedler
Sonntag, 21.06.2026
Die meisten Teilnehmer der Reise trafen sich voller Vorfreude vor dem Weimarer Bahnhof. Pünktlich gegen 08.00 Uhr fuhr der Bus des polnischen Reiseunternehmens Simon vor. Schnell waren die Koffer eingeladen und bei strahlendem Sonnenschein ging es los. An einigen Treffpunkten stiegen weitere Mitreisende zu. Bis zu unserem Zwischenstopp in Warschau lagen rund 800 km vor uns. Um die Lenkzeiten einzuhalten, hatte unsere Busfahrer Andrzej seine Tochter mitgebracht, die den Bus bis Poznan lenkte. Mit einigen Picknickpausen erreichten wir gegen Abend unser Hotel am Stadtrand von Warschau.
Montag, 22.06.2026
Schon die Einfahrt nach Warschau hatte uns neugierig auf die seit 1596 polnische Hauptstadt mit ihren rund 1,9 Mio. Einwohnern gemacht. Obwohl nicht an der historischen Reiseroute Maria Pawlownas gelegen, wollten wir doch die Gelegenheit zu einer Besichtigung zumindest der Altstadt nutzen. Auf einer kleinen Bustour erhielten wir einen Eindruck vom Zentrum des modernen Warschaus mit beeindruckenden Hochhäusern, Plätzen und Parkanlagen. Die am Ufer der Weichsel erhöht gelegene Altstadt ist nach den verheerenden Zerstörungen während des 2. Weltkriegs mit großem Einsatz wiederaufgebaut worden.
Unser Rundgang startete an der Sigismund-Säule (1544, für Sigismund III. Wasa, König von Polen (1587-1632) und Schweden (1592-1599)). Jan Zachwatowicz, der Architekt des Wiederaufbaus, schreitet – in Bronze gegossen -, auf das wiedererrichtete Warschauer Königsschloss zu. Ihm ist es gelungen, gegen das stalinistische Aufbaukonzept alles Alte abzureißen, dass ein Teil der historischen Identität der Stadt wiedererstanden ist. Wie uns die freundliche Stadtführerin Ewa Grodecka erklärte, sind die Häuser so rekonstruiert worden, dass die Fassade authentisch aussieht, die dahinter liegenden Räume aber funktionell nach modernen Anforderungen errichtet worden sind. Das schmälert nicht die beeindruckende Wirkung der schmucken Bürgerhäuser des 17./18. Jahrhunderts mit vielen kunstvoll gestalteten Details und repräsentativen Kirchen. Das Herz der Altstadt ist der Markt mit einem Wasserspiel. Eines der schönsten Häuser ist das „goldene“ Fukierhaus, das der Augsburger Kaufmannsdynastie Fugger gehörte.
Nach rund 650 km erreichten wir am Abend die litauische Hauptstadt Vilnius und fanden Quartier in dem zum Hotel umgebauten ehemaligen Karmeliter-Kloster Domus Maria, das sich unmittelbar an der Theresienkirche in der Altstadt befindet. In einem nahegelegenen Restaurant konnten wir unser Abendessen mit litauischen Spezialitäten einnehmen, darunter die kalte Rote-Beete-Suppe Šaltibarščiai und Cepelinai, mit Hackfleisch oder Quark gefüllte Kartoffelklöße, die hervorragend schmeckten. Wir waren mehr als gut gesättigt und wer Lust hatte, gönnte sich noch einen Verdauungsspaziergang durch die wunderschöne Altstadt von Vilnius.
Dienstag, 23.06.2026
Nach dem Frühstück begrüßte uns der Michael Pretzsch im ehemaligen Klosterhof. Unser deutscher Stadtführer kam, wie er erzählte, in der Aufbruchstimmung nach der Wiedergründung der Republik Litauen Anfang der 1990er Jahre nach Vilnius. Er hat die spannende Zeit des schwierigen Aufbaus nach über 40 Jahren Sowjetrepublik erlebt, ist mit einer Litauerin verheiratet und in Vilnius verwurzelt. Michael, der auch Mitglied im Deutschen Klub von Vilnius ist, führte uns durch die inzwischen topsanierten Straßen der Altstadt mit ihren schönen Bürgerhäusern und prächtigen gotischen und barocken Kirchen. Vilnius, seit 1918 litauische Hauptstadt, hat über 600.000 Einwohner und war 2009 Kulturhauptstadt Europas. Die Altstadt gehört zu den schönsten und größten in Europa und ist seit 1994 UNESCO-Weltkulturerbe. Vilnius ist eine lebendige Stadt, Kneipen und Cafés laden zum Verweilen ein. An der bereits 1579 gegründeten Universität studieren rund 23.000 junge Menschen.
Während unseres Rundgangs sprach Michael auch über die wichtigsten Epochen der litauischen Geschichte. Die rund 2,9 Mio. Litauer sind sehr geschichtsbewusst. Er sagte, dass sich die Litauer länger als andere ihrem „heidnischen“, von der Natur geprägten Glauben verbunden fühlten. Sie galten als die „letzten Heiden“ Europas, was nicht zuletzt u. a. dem Deutschen Orden als Legitimation für seine Expansion diente. Im 14. Jahrhundert erreichte das litauische Fürstentum mit einem Territorium, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte, seine größte Ausdehnung. Durch Heirat entstand 1385 die Personalunion mit dem Königreich Polen. Die Union besiegte 1410 in der Schlacht bei Tannenberg das Heer des Deutschen Ordens. Nach drei Teilungen des Polnisch-Litauischen Staates Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Großfürstentum Litauen Teil des Russischen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 erhielt Litauen seine staatliche Souveränität, musste sich aber infolge des Hitler-Stalin-Paktes schon 1940 wieder Russland anschließen. Der deutschen Besetzung 1941 folgte 1944 die russische Eroberung. Im Zuge von Glasnost begannen Ende der 1980er Jahre die Demonstrationen der Esten, Letten und Litauer für ihre Unabhängigkeit. Litauen erklärte sich 1990 für unabhängig und wurde 1991 international anerkannt. 2004 erfolgte die Aufnahme in die EU und in die NATO.
Am Nachmittag brachte uns der Bus zu dem Außerhalb von Vilnius gelegenen Markučių dvaro muziejus, das Markučiai Landhaus, das seit 2025 zum Museum Vilnius gehört. Das Holzhaus wurde 1867 von General Aleksey Melnikov erbaut, der am Bau der Eisenbahn von St. Petersburg nach Vilnius beteiligt war. Er schenkte das Haus und damit verbundene riesige Liegenschaften seiner Tochter Warwara, die später mit dem jüngsten Sohn Puschkins, Grigori, verheiratet war. Das Haus zeigt die gut erhaltene Einrichtung eines anspruchsvoll ausgestatteten Landhauses. Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Warwara nach und nach den Besitz, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Warwara starb 1935, sie ist der restaurierten Familienkapelle im Park bestattet. Nach ihrem Tod fiel der überschuldete Besitz mit dem Haus an die russische Gemeinschaft von Vilnius. In der Sowjetzeit wurde das Haus zum Puschkin-Museum umgestaltet, das sich bis 2023 in dem Haus befand.
Eine Büste Alexander Pusckins wurde 1992 vom Sereikiškės Park im Stadtzentrum nach Markučiai verbracht.
Den Abschluss und Höhepunkt des Tages bildete das Treffen mit dem Verein Asociacija Regioninio muziejaus konceptas und dem Deutschklub von Vilnius. Die Direktorin des Hauses der nationalen Gemeinschaften Rita Novikienė und zahlreiche Gäste hießen uns herzlich willkommen.
Unser Vereinsmitglied Matthias Hessel gab am Klavier eine Einstimmung in die festliche Veranstaltung,
Dr. Irina Tschistowskaja überbrachte eine Videobotschaft des Weimarer Bürgermeisters Ralf Kirsten. Zum Thema „Die Rolle bedeutender Frauen im interkulturellen deutsch-litauischen Verhältnis“ sprachen Irina Tschistowskaja das verdienstvolle Wirken unserer Namenspatronin und Gintaras Petrauskas über Warwara Melnikowa als große soziale Wohltäterin. Irina Tschistowskaja überreichte Nadezda Petrauskiene und Michael Pretzsch die Maria-Pawlowna-Medaille als Anerkennung für die besonderen Verdienste im Sinne des Vereinszwecks der Maria-Pawlowna-Gesellschaft beim Dialog und der Völkerverständigung in Europa.
Der Chor des Vereins „Heimatgruß“ sang u. a. alte deutsche Lieder und lud zum gemeinsamen Mitsingen ein.
Teil der Begegnung war eine Vernissage der Ausstellung mit Grafiken unseres Gesellschaftsmitglieds, des Weimarer Künstlers Jürgen Postel, dessen fantasievollen Baumstudien für einige Wochen zu Betrachtung im Haus der nationalen Minderheiten in Vilnius einladen.
Der Abend klang mit gegenseitigem Kennenlernen und fröhlichen Gesprächen aus.
Einige von uns machten sich noch Weg zu den Feuern, mit denen der Johannistag gefeiert wird, der für die Litauer eine besondere Bedeutung hat. Nicht zufällig ist der darauffolgende 24. Juni in Litauen Feiertag.
24.06.2026
Nach einer etwa zweistündigen Fahrt erreichten wir das in einem weitläufigen mit herrlichen alten Bäumen gelegene Schloss Raudondvaris, wenige Kilometer westlich von Kaunas am Flüsschen Nevezis, das hier in die Memel (Nemunas) mündet.
Das einstige Herrenhaus dient als Stätte für Kultur und Kunst. In den repräsentativen Gebäuden aus rotem Backstein finden Konzerte, Präsentationen und Gedenkfeiern zum Tag der Staatsgründung statt. Die ehemaligen herrschaftlichen Ställe bieten Platz für Theater- und Konzertsaal mit 500 Plätzen sowie Wohnräume für junge Künstler.
In der einstigen Orangerie war für uns schon die Kaffeetafel gedeckt. Die kredenzte Schokotorte, dazu Kaffee oder Tee, war köstlich.
In der Region Kaunas erwartete uns ein weiteres Schloss, eine ehemalige Wallburg des Deutschen Ordens am Ufer der Memel in einer malerischen Seenlandschaft: Schloss Panemune. Die mehrfach umgebaute Schlossanlage gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts der Familie Giełgud. Antoni Giełgud, einer der Anführer des polnisch-litauischen Aufstands 1831, bei dem er fiel. Das Schloss wurde enteignet und verfiel. In den 1990er Jahren wurde die Schlossanlage, die heute der Kunstakademie Vilnius gehört, restauriert. Wir wurden freundlich begrüßt und konnten die Räume mit den wiederentdeckten Renaissancemalereien besichtigen. Einige erklommen die vielen Stufen des mit Schießscharten bewehrten Rundturms, um den Rundblick über die Memel Landschaft zu genießen.
Anschließend ging die Fahrt, teils direkt am Ufer der Memel entlang, weiter in Richtung Šiluté. Die Straße hatte ihre Tücken, was sich später noch bemerkbar machen sollte. Die Sangesfreudigen unserer Reisegesellschaft verkürzten die Fahrzeit mit Liedern, zum Teil mit Bezug zur Region. Unser Gitarrist Michael Pein sorgte für die richtige Melodie und oft auch für den Text. Glücklicherweise hat Alexander Blass auch an Liederbücher gedacht.
Nahezu pünktlich trafen wir in Šiluté (ehem. Heidekrug) ein, wo wir schon sehnsüchtig von den Mitgliedern des Heide-Vereins erwartet und sehr herzlich begrüßt wurden. Passend zum Thema „Historisches Reisen im ehemaligen Preußen“ hatten wir die Strecke dank Andrzej gut überstanden.
Der Vorstand des Heide-Vereins sowie eigens aus Klaipeda angereiste Vertreter des Deutschen Kulturvereins stellten sich und ihre Arbeit vor. Irina Tschistowskaja sprach über das Wirken Maria Pawlownas und das Projekt der Erlebnisroute, dessen Anliegen es ist, an dem Weg lebende Menschen miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen. Sie dankte den Vereinen für ihre Unterstützung und den Einsatz für den kulturellen Austausch. Als besondere Anerkennung wurde Gerlinda Stunguriene, Vorsitzende des Heide-Vereins mit der Maria-Pawlowna-Medaille geehrt.
Dann gehörte die Bühne der Musik, unserem Komponisten und Pianisten Matthias Hessel und dem Auftritt des Chores des Heide-Vereins unter der Leitung von Walteris Matulis mit Liedern zum Thema „Musikalisches Reisen“. Diesen großartigen Chor würden wir gern einmal in Weimar begrüßen.
Unser Partnerverein hatte es sich nicht nehmen lassen, eine lange Tafel mit lauter Köstlichkeiten zu füllen. Wer es eher süße mag, konnte frisch gebackene Waffeln genießen. Schnell waren alle miteinander ins Gespräch gekommen. Gemeinsam sangen wir mit dem sehr guten Chor, begleitet von unseren Musikern, und erlebten in froher Runde eine wunderbare Johannis-Feier.
Mittwoch, 25.06.2026
Heute galt es, zunächst Šiluté zu entdecken, den Ort, wo Maria und Carl Friedrich am 21. Oktober 1804 eine Mittagspause eingelegt hatten. Das Städtchen hat heute etwa 15.000 Einwohner und liegt unweit der Grenze zum Kaliningrader Gebiet und zum Kurischen Haff. Das Gebiet im Memel-Delta gehörte damals zu Preußen. Nach dem Ersten Weltkrieg und Versailler Vertrag wurde es unter Völkerbundverwaltung gestellt, fiel 1923 an Litauen und 1939 zurück an Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam des Memel-Land wieder zu Litauen, das Teil der Sowjetunion wurde.
Ein großer Gutshof prägte das Landstädtchen. Hugo Scheu (litauisch: Hugo Šojus) (1845–1937), der das Gut mit riesigen Ländereien 1889 erworben hatte, schenkte der Stadt einen Teil der Flächen, sodass darauf öffentliche Gebäude wie Postamt, Feuerwehr, ein Gymnasium und die ev.-luth. Kirche errichtet werden konnten. Hugo Scheu hat in seinem Gut auch das erste Museum des Memel Landes gegründet. Während der Besetzung im Zweiten Weltkrieg und in der Sowjetzeit ging viel verloren, aber seit 2015 befindet sich in den Räumen des einstigen Gutshauses das Hugo-Scheu-Museum mit zahlreichen Dokumenten zur Geschichte und Kultur der Region und der Familie Scheu. Eine Führung vermittelte uns viele Informationen zum Verständnis des Gebietes.
Nach der Geschichtslektion ging es in die Natur. Das Memel-Delta (litauisch Nemunas) ist eine einzigartige Landschaft, mit Flüssen und Seen, Überschwemmungsgebieten und einem Hochmoor. 1992 wurde Regionalpark Nemunas-Delta gegründet, um die einzigartige Natur zu bewahren, die u. a. mehr als 300 Vogelarten Raum gibt. Die Vogelberingungsstation Ventés Ragas ist eine der weltweit frühesten Stationen.
Ein besonderes Erlebnis war die Bootsfahrt auf einem der Flussarme, vorbei an schmucken Landhäusern bis hinaus ins Haff mit Blick auf die Kurische Nehrung und mit der Beobachtung von unzähligen Vögeln, die auf den feuchten Wiesen und den Seerosen-„Wiesen“ ideale Bedingungen vorfinden.
Am Abend erreichten wir unser Hotel in Klaipéda. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir das Klaipėdos Tautinių kultūrų centre (Zentrum für nationale Kulturen), in dem eine Ausstellung mit Grafiken von Jürgen Postel vorbereitet war. Die Vernissage war sehr gut besucht und auch Freunde vom Heide-Verein in Šiluté hatte es sich nicht nehmen lassen dabei zu sein. Der Künstler spürt den eigenwilligen, unverwechselbaren Linien und Mustern der Bäume nach und setzt sie gekonnt in Szene. Jürgen Postel sprach über seine Ideenfindung und Arbeitsweise und traf auf viel Interesse.
Man kann sich kaum einen geeigneteren Ort für die Präsentation der Arbeiten von Jürgel Postel vorstellen als Litauen und das Memel-Land mit ihrer vielfältigen, weiträumigen Natur und beeindruckenden riesigen alten Bäumen.
Wir lernten einige Mitglieder des Deutschen Kulturvereins Memel kennen und freuten uns auf das Fest der Begegnungen am nächsten Abend.
Donnerstag, 26.06.2026
Nach etwa 30 km in Richtung Norden erreichten wir den Flecken Nimmersatt (litauisch Nemirseta), denn von Ort kann man kaum mehr sprechen. Nach der Besetzung des Ortes durch die Sowjetarmee im Oktober 1944 wurde das Gebiet Testgelände und Sperrgebiet. Nimmersatt lag direkt an der Grenze zwischen Preußen und dem Russischen Reich. Heiko Kressin vom Deutschen Kulturverein Memel erwartete uns schon, um uns einen im Gras verborgenen Grenzstein und den Platz der ehemaligen Grenzschänke „Zum Hecht“ zu zeigen.
Am 18. Oktober 1804 wurden in Nimmersatt, „wo das Reich sein Ende hat“, in der Posthalterei die Pferde gewechselt. Carl Friedrich notiert in seinem Reisetagebuch, dass die Prinzess sehr traurig war, da sie nun ihr Vaterland verließ.
Unser nächstes Ziel war Palanga (ehem. Polangen). Hier hatten Maria und Carl Friedrich zu Mittag gegessen. An dieser letzten russischen Station wurden fast alle russischen Begleiter, vom Hofmeister bis zu Köchen und Bäckern entlassen, erhielten Geld und teils wertvolle Geschenke, wie im Reistagebuch detailliert aufgeführt wurde.
Mit etwa 18.000 Einwohnern ist Palanga heute das bedeutendste Ostseebad Litauens. Der Ort hat einen langen, breiten Sandstrand und ist von Wäldern umgeben. Der Ort bietet alles, was sich Urlauber wünschen – von Hotels, Restaurants und Cafés bis hin zu Einrichtungen für Sport und Spiel.
Unser erstes Ziel war das Bernsteinmuseum im ehemaligen Palais des Grafen Feliksas Tiškevičius. Seit 1963 beherbergt das Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance errichtete Palais eine der größten Bernsteinsammlungen mit 30.000 Exponaten. Die Ausstellung ist hochwertig gestaltet und zeigt einzigartige Zeugnisse vom rohen Bernstein mit einer kaum vorstellbaren Fülle an Formen und Farbe, spektakuläre Einschlüsse, darunter eine kleine Echse, bis hin zu historischen und modernen Schmuckgestaltungen. Die Kuratorin hat sich extra Zeit für uns genommen und uns den Reiz des Ostseegoldes erschlossen.
Das Palais ist vom Birutė-Park, einem weitläufigen englischen Garten umgeben, den Graf Tiškevičiai durch den berühmten französischen Architekten Eduard François André anlegen ließ.
Unsere nächste Station war die Seebrücke von Palanga, einige nahmen ihre Schuhe in die Hand und nutzten die Gelegenheit zu einem Strandlauf.
Nach der Mittagspause in Palanga brachte uns der Bus zurück nach Klaipéda, wo schon die Stadtführerin Viktoriya auf uns wartete.
Klaipéda (deutsch Memel), die größte Stadt des Memel-Landes, hat eine wechselvolle Geschichte erlebt, von der Gründung durch den Deutschen Orden, als östlichster Hafen von Preußen, dann des Deutschen Reiches, 1923 der Anschluss an Litauen, dann wieder ans Deutsche Reich, die sowjetische Besetzung, den Anschluss an die Sowjetunion und seit 1992 als bedeutender Hafen Litauens.
Die Stadt mit etwa 170.000 Einwohnern liegt an der Mündung der Dange (litauisch Dané) ins Kurische Haff. Teile der Altstadt sind erhalten bzw. wieder aufgebaut worden. Der Teatro Aikštė (dt. Theaterplatz) ist das kulturelle Zentrum. Hier steht auch der Simon-Dach-Brunnen, der von einer Plastik (Replik) des viel besungenen „Ännchens von Tharau“ bekrönt wird. Der Dichter und Königsberger Professor für Poesie Simon Dach (1605-1659) hat das Lied der von ihm verehrten Anna Neander, einer Pfarrerstochter aus Tharau, gewidmet. Johann Gottfried von Herder hat den Text ins Hochdeutsche übertragen und 1778 in den „Volksliedern“ veröffentlicht.
Aus dem Reistagebuch von Carl Friedrich wissen wir, dass das junge Paar sich vom 18.10. bis zum 21.10.1804 in Memel aufgehalten hat, um sich ein wenig von der anstrengenden Reise zu erholen. Logiert hat das Paar im alten Posthaus, das nicht erhalten ist.
Am Abend fand ein Fest der Begegnungen mit unseren Partnern vom Deutschen Kulturverein Memel statt, an dem Repräsentanten der russischen und der jüdischen Gemeinden Klaipedas sowie viele interessierte Bürger der Stadt teilnahmen. Auch unsere Freunde aus Vilnius von der Asociacija Regioninio muziejaus konceptas kamen dazu.
„Königin Luise und Großherzogin Maria – starke Frauen in der europäischen Geschichte“ lautete das Thema des Abends.
Die Feier fand im in einem Gebäude der Fakultät für Sozial- und Geisteswissenschaften der Universität Klaipėda (ehem. Königliches Lehrerseminar) statt, das 1908 erbaut und 2021 restauriert wurde. Der Dekan der Fakultät der Sozialwissenschaften, Prof. Rimantas Balsys, eine Repräsentantin des Hafens für die Stadt Klaipéda sowie der Vorsitzende des Deutschen Kulturvereins Heiko Kressin begrüßten die Gäste. Unsere Präsidentin, Dr. Irina Tschistowskaja, überbrachte die Grüße des Weimarer Bürgermeisters Ralf Kirsten und informierte über die Ziele und Projekte der Maria-Pawlowna Gesellschaft und die Verdienste der Weimarer Großherzogin. Sie dankte allen, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben und überreichte Heiko Kressin die Maria-Pawlowna-Medaille.
Unsere Vereinsmitglieder, der Komponist und Pianist Matthias Hessel und der Gitarrist Michael Pein gestalteten ein kleines musikalisches Programm. Mitglieder des Deutschen Kulturvereins Memel und des Russischen Vereins „Lada“ traten mit historischen Tänzen und Liedern auf.
Ein kleines kulinarisches Angebot mit litauischen Spezialitäten und in Klaispéda gebrautem Bier bot den Rahmen zum freundschaftlichen Austausch und Kennenlernen. Auch die Musik bewies einmal wieder ihre verbindende Kraft. Matthias Hessel, Michael Pein und Peter Miethe stimmten Lieder an, die gern von vielen Teilnehmern mitgesungen wurden. Unser Grafiker Jürgen Postel outete sich als Musiker und Sänger und auch der Hausherr gab eine Probe seines sängerischen Könnens. Wir haben einen wunderbaren Abend erlebt und neue Freunde gewonnen. Wir danken unseren litauischen Partnern für die herzliche Gastfreundschaft.
Sonnabend, 27.06., und Sonntag, 28.06.2026
Es hieß Abschied nehmen. Eine lange Strecke lag vor uns, mit einer Zwischenübernachtung in Warschau. Wir verkürzten uns die lange Fahrzeit mit immer wieder gern gesungenen Liedern wie „Hoch auf dem gelben Wagen“, das „Rennsteiglied“ und auch „Ännchen von Tharau“. Michael Pein begleitete auf der Gitarre. Nachdem unser Busfahrer Andrzej von seiner Tochter abgelöst worden war, zeigte auch er sein musikalisches Talent.
Herzliche Begegnungen, unvergessliche Eindrücke und wunderbare Erfahrungen haben unsere Reise geprägt. Sie hat neue Fenster aus der Statik des Alltags geöffnet, wie es ein Teilnehmer treffend formuliert hat, und uns alle bereichert.
Herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben.
Fotos: Martina Kienzle, Michael Pein, Dr. Jens Kosch, Heidrun Sedlacik, Jürgen Postel, Gerlind Häublein, Dr. Wilfriede Fiedler und Dr. Irina Tschistowskaja

Wir danken der Stiftung West-Östliche Begegnungen
für die finanzielle Unterstützung des Projektes.
Maria-Pawlowna-Gesellschaft e.V. 







































































































