Post- und Reisewesen entlang der Route Ostromecko (Ostromezko) – Braniewo (Braunsberg) um 1800

Die Strecke von Ostromecko im heutigen Polen (1804: Ostromezko) nach Braniewo (1804: Braunsberg), auch in Polen, verlief 1804 auf dem Territorium des Königreichs Preußen in Ostpreußen entlang der damals genutzten Postkurse.

Der Brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm richtete 1694 den Hauptpostkurs von Cleve bis Memel ein. Auf diesem Kurs, der durch Preußen ging, verkehrte regelmäßig Reitpost von Berlin über Preußisch Holland, Preußisch Mark, Marienwerder nach Königsberg, die die Stecke von 94 preußischen Meilen, ca. 700 km, in nur 4 Tagen bewältigte (Ernst Vogelsang: Die Post im Kreise Mohrungen. Ein Beitrag zur Geschichte der Post in Ostpreußen, Hermannsburg 1980, S. 21). Im Gegensatz zu Kurbrandenburg blieben die Postverhältnisse in Preußen weit zurück. 1699 waren vier Kurse in staatlicher Regie angelegt, womit die Privatfuhren unterbunden waren. Die übrigen Kurse wurden durch die privaten Ämterposten betrieben (Ernst Vogelsang: Die brandenburgisch-preußische Staatspost (17-19. Jh.). In: Gerhard Brandtner und Ernst Vogelsang: Die Post in Ostpreußen, Lüneburg 2000, S. 59). Erst die Postordnung von 1712 trug zur Vereinheitlichung des Postwesens bei, in der die reglementarischen und technischen Bestimmungen, wie die Befugnisse und die Besoldung von Postmeistern, Postschreibern, Posthaltern, Postillionen als auch von Postverwaltern und Postwärtern von untergeordneten Posteinrichtungen sowie der Betrieb von Posthaltereien mit angemessenen Pferdebestand, geregelt wurde (Ernst Vogelsang: Ostpreußens Post vom 18. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In: Nachrichten- und Kommunikationswesen im Preußenland, Lüneburg 1994, S. 47 ff.). Somit wurde die Post staatlich. Die Postämter unterstanden dem General-Postamt, private Post- und Botendienste wurden eingeschränkt.

Durch die erste polnische Teilung wurden einige Gebiete Polens mit Poststationen in Ostromezko, Culm und Graudenz 1772 Teil des Königreichs Preußen. Sie wurden dort 1773 in die Provinz Westpreußen eingegliedert.

Erlebnisroute Maria Pawlowna, Abschnitt 4: Ostromecko (Ostromezko) – Braniewo (Braunsberg). Datengrundlage: Charte vom Königreich Preussen, entworfen von F. L. Güsselfeld, Nürnberg: Hommans Erben, 1805, SLUB/Kartensammlung. Bearbeitung: Holger Volk

Im „Allgemeinem Post- und Reise-Handbuch durch Deutschland, Frankreich …“ (Nürnberg 1805, S. 18) ist der Postkurs 124 von Berlin nach Königsberg über u.a. Kulm, Graudenz, Marienwerder Preussisch Mark, Preussisch Holland und Braunsberg mit Entfernungen in Meilen zwischen den einzelnen Poststationen aufgeführt:

Der Zustand der Straßen zum Zeitpunkt der Reise Maria Pawlownas war kläglich. So hat Preußens König Friedrich Wilhelm verfügt: „Da nächstens die Rußisch Weimarschen Herrschaften auf der Reise von St Petersburg nach Weimar durch Preußen kommen werden, und zu diesem Behuf die Wege durchaus in den besten Stand gesezt werden müßen; so befehlen wir Euch hierdurch, von Seiten unserer K[öni]g[lich] Preuß[ischen] Cammer die sorgfältigste Untersuchung und Instandsetzung der Wege, auf welchen gedachte Herrschaften durch deren Departement gehen werden, ohne Zeit-Verlust, bei Eurer eigenen Verantwortung zu veranlaßen.“( Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, GD, Abt. 6, Nr. 202, Bl. 72-74).